Technologie: Von der Asche zu Gold!
- Mauro Longoni
- 26. März
- 9 Min. Lesezeit
Das 21. Jahrhundert lässt sich mit einem einzigen Wort definieren: Technologie. Natürlich haben Kriege und Krisen aller Art die Weltgeschichte verändert, aber auch sie sind massiv von der Technologie beeinflusst worden: heute werden Kriege mit Drohnen und Flugzeugen geführt, die völlig autonom fliegen und schießen, und Viren werden im Medizin wird erförscht, indem Daten mit künstlicher Intelligenz analysiert werden.
Kein anderer Aspekt der gesamten Gesellschaft hat dieses Jahrhundert so geprägt wie die Technologie. Software und Hardware haben alles verändert, man findet die überall und es gibt kein Zurück mehr. Für alle, die glauben, in eine Welt vor der Technologie zurückkehren zu können: Für euch gibt es Höhlen voller Vampirfledermäuse, die wasserlose Wüste oder den Meeresgrund mit einem Betonklotz am Bein.
Es wäre schrecklich und eine Katastrophe, in eine Welt aus Papier, Langsamkeit, zu viel Tinte und Karpaltunnelsyndromen vom vielen Schreiben zurückzukehren. Ganz zu schweigen von dem Verlust von gewissen sehr unterhaltsamen Entertainment-Websites. Ich habe diese Welt erlebt, auch wenn ich noch klein war. Aber ich habe gesehen, wie man damals lebte. Heute ist es besser. Darüber gibt es gar keine Diskussion. Gott sei Dank gibt es die Technologie, die die Oberhand gewonnen hat. Und das ist erst der Anfang. Dieser Post ist ein Loblied auf etwas, das diese Welt einfach, schnell und zugänglich macht.
Aber man muss fairerweise sagen, dass alles gar nicht gut anfing.
Die „Dot-Com“-Blase
Es waren die letzten Jahre des 20. Jahrhunderts. Es waren die wunderbaren 90er Jahre, ein Jahrzehnt voller Neuerungen und Grenzüberschreitungen. Es war ein Jahrzehnt, in dem Qualität an erster Stelle stand und große Seiten der modernen Geschichte geschrieben wurden – sowohl schreckliche als auch schöne. Man spürte den Wohlstand in der Luft, die Menschen waren glücklich, die Kreativität gab den Ton an, Arbeit war gut bezahlt und alles lief glatt, getragen von dem Bewusstsein, dass das Morgen großartig werden würde. In der Technologiewelt setzte sich das Internet wie nie zuvor durch. Computer wurden erschwinglich, tragbar, und man erkannte sehr schnell, welch immenses Potenzial in der Technologie steckte.
In der zweiten Hälfte der 90er Jahre gab es nur ein Mantra: Investieren wie noch nie zuvor. Es spielte keine Rolle, wie viel oder wo. Alles, was ein „.com“ am Ende oder ein „e-“ am Anfang hatte, war das perfekte Ziel für die eigenen Ersparnisse. Dieser Wirtschaftszweig erlebte einen Tsunami an Geld, der alles überflutete.
Zwischen 1995 und März 2000 wuchs der NASDAQ-Index um 400 %. Ein Wachstum, das heute für jeden vernünftigen Menschen undenkbar wäre. Es herrschte eine beispiellose Euphorie. Niemand wollte draußen bleiben. Niemand wollte die Chance seines Lebens verpassen. Wer Geld zum Ausgeben hatte, tat dies blind und ohne jedes Kriterium. Währenddessen sahen die Unternehmen, die all dieses Geld kassierten, ihren Wert steigen, obwohl viele von ihnen gar nichts produzierten. Sie wurden einfach gegründet, nahmen Geld ein, boten aber nichts an. Aber das war egal. Die Börse explodierte Tag für Tag weiter.
Eas war wie im Jahr 1929, wo man das Gefühl hatte, dass dies niemals aufhören würde. Doch leider hat im Leben alles ein Ende. 1929 landete man in Unterwäsche auf dem Boden. Im März 2000 schickte sich die Geschichte an, sich zu wiederholen. Große Unternehmen wie Dell und Cisco, die viel Geld in die Blase investiert hatten, sahen all das Grün in den Charts, all diese blinde und unkontrollierte Euphorie und sagten: „Meine Herren, es war uns ein Vergnügen, aber es ist Zeit zu gehen.“ Sie taten das Einzige, was alle hätten tun sollen: Sie verkauften riesige Aktienpakete und machten enorme Gewinne. Dieser Verkauf erwischte alle eiskalt, die Aktien der an der Blase beteiligten Unternehmen stürzten ab und lösten eine Panik am gesamten Markt aus. Wenn in der Finanzwelt Panik herrscht, gibt es nur ein Wort: Verkaufen. Und genau das geschah! In weniger als zwei Jahren verlor der Index etwa 76 % seines Wertes, vernichtete Billionen von Dollar an Wohlstand und führte zum Bankrott tausender Unternehmen.
Der Phönix des ersten Jahrzehnts.
Das Platzen der Dot-Com-Blase war ein Schlag ins Gesicht mit Überschallgeschwindigkeit. Es ist schwer zu beziffern, wie viel Geld verloren ging. Sogar die Federal Reserve musste eingreifen und die Zinsen fast auf Null senken, um die gesamte US-Wirtschaft zu retten. Denn diese Billionen verbrannten Dollars hätten fast die amerikanische Finanzwelt zerstört.
Als die Auswirkungen des Zusammenbruchs abklangen und man die Folgen sehen konnte, bot sich ein schreckliches Bild. Vor den eigenen Augen war nichts als Leere. Unzählige Unternehmen verschwanden, andere wurden geschluckt, und all die Träume und Hoffnungen auf eine neue Welt und eine neue Wirtschaft waren weggefegt. Es blieb nichts übrig. Was übrig blieb war eine ausgelöschte Zukunft, tausende Menschen, die alles verloren hatten, und dieses Gefühl der Orientierungslosigkeit und der Gedanke, eine riesige Chance für Veränderung, Evolution und Wachstum verpasst zu haben.
In Wahrheit stimmte das nicht ganz. Das Platzen der Blase war nicht das Ende, sondern der Anfang. Es ist ein bisschen wie der Asteroid, der die Dinosaurier auslöschte. Sicher, eine Welt wurde zerstört, aber eine andere begann. Nichts war verloren, sondern nur um ein paar Jahre verschoben. Inmitten der totalen Verwüstung überlebten einige Blumen. Unternehmen wie Adobe, Nvidia, Amazon und eBay (um nur einige zu nennen), damals noch kleine Akteure, überstanden dieses Erdbeben unbeschadet oder nur leicht angeschlagen. Nachdem sie den Aufprall überstanden und die an die neue Umgebung angepasst hatten, wuchsen diese Unternehmen in der Folgezeit.
Das war der Wendepunkt. Die Welt blickte mit Staunen auf diese Firmen da man dachte, der Boden sei längst unfruchtbar. Die Frage drängte sich auf: „Wie ist das möglich? Also zahlt sich Technologie doch aus!“ Was man begriff, war: Wie jedes Geschäft musste auch die Technologie den gleichen Regeln folgen wie jedes andere Unternehmen – sie braucht einen „Use-Case“, einen Nutzen.
Diese Idee veränderte das Spiel für immer. Von diesem Moment an musste Technologie einen Zweck haben, sonst würde nie wieder jemand in etwas Wertloses investieren.
Die bewusste Euphorie.
Es gab nur ein Problem: die Menschheit. Die Menschheit hatte an die Spekulationsblase geglaubt, und die Menschheit hatte gesehen, wie diese Blase ihr direkt ins Gesicht explodierte, was sie verletzt und arm zurückließ. Niemand würde jemals wieder Geld in das Internet und Computer stecken.
Und doch kam es anders. Die Zeit nach dem Platzen der Blase brachte drei unerwartete Nebeneffekte mit sich. Das Internet wurde billig. Nach dem Scheitern vieler Telekommunikationsunternehmen, die kilometerweise Glasfaser verlegt hatten, stürzten die Preise für Konnektivität ab, da andere Unternehmen die fertige Infrastruktur vorfanden. Dies ermöglichte Millionen neuer Nutzer einen schnellen Zugang zum Web. Diese Zugänglichkeit erlaubte es neuen Akteuren, aufzutauchen. Zwischen 2003 und 2005 entstanden Größen wie Facebook und YouTube. Diese Unternehmen verkauften nicht mehr nur „heiße Luft“, sondern bauten Plattformen auf, die auf der Beteiligung der Nutzer basierten und die Infrastruktur nutzten, die die Blase überlebt hatte. Zudem wurden, nach all den Bilanzskandalen der gescheiterten Firmen, viel strengere Gesetze erlassen, um Bilanzfälschungen unmöglich o zumindest extrem schwierig zu machen.
Diese drei Faktoren waren das „Trojanische Pferd“, um die Mauer aus Skepsis und Angst einzureißen und die Welt dazu zu bringen, wieder in das Internet zu investieren. Und es war ein perfektes Trojanisches Pferd. Das Gesetz gab den einfachen Leuten ein Signal des Schutzes, und Plattformen wie Facebook und YouTube gaben der Technologie einen Zweck: Erstellen, Kommunizieren und Teilen. Und das alles kostenlos. Da war sie wieder, die Euphorie. Diesmal war sie jedoch anders. Es ging nicht mehr darum, Geld in nicht existierenden Realitäten zu riskieren, sondern nur darum, das Internet zu nutzen und etwas Unterhaltsames zu tun. Endlich hatte man diesen „Use-Case“ gefunden, der in den 90er Jahren fehlte.
Keine Tasten – der Wahnsinn von Apple.
Doch der Fortschritt war langsam. Die Blase war in den ersten Jahren der 2000er in den Weltwirtschaften noch deutlich spürbar. Bis Steve Jobs kam.
Apple erlebte die Blase hart. In den 90er Jahren stand das Unternehmen kurz vor dem Bankrott. Es rettete sich jedoch aus zwei Gründen. Der erste war Bill Gates, der massiv in das Unternehmen investierte. Der zweite war Steve Jobs. Obwohl das Unternehmen während des Platzens der Blase etwa 80 % seines Wertes verlor, tat Apple in den folgenden Krisenjahren das, was in Zeiten von Flaute und Angst eigentlich Selbstmord wäre: Es investierte. In nur zwei Jahren reduzierten sie die Anzahl der verkauften Computermodelle (von 12 auf 4), brachten iTunes heraus, eröffneten die ersten physischen Apple Stores und brachten auf den Markt den ersten iPod, der fast 400 Dollar kostete. All das im Jahr 2001, einem düsteren Jahr zwischen der gerade geplatzten Blase und dem 11. September. Zwei Jahre später, 2003, öffnete auch der iTunes Music Store. In nur zwei Jahren wandelte sich Apple von einem fast bankrotten Unternehmen zu einer Firma, die das schuf, was wir heute das „Apple-Ökosystem“ nennen – etwas Einzigartiges, das Microsoft heute zu imitieren versucht.
Und dann kam der 9. Januar 2007. Die Dot-Com-Blase war eine ferne Erinnerung und Apple war ein geschätztes, respektiertes, solides und innovatives Unternehmen. An diesem Tag hielt Steve Jobs während der Macworld Expo in San Francisco eine Konferenz ab. Es schien ein Auftritt wie jeder andere zu sein, bis das gezeigt wurde, was wir heute „iPhone“ nennen: ein Gerät, das ein Telefon, einen iPod und das Internet in sich vereinte.
Die Welt flippte beim Anblick dieses Dings aus, das direkt aus dem Jahr 3000 zu kommen schien. Man hatte noch nie zuvor ein so komplexes Gerät gesehen. Ein Telefon war bis dahin nur ein Mobiltelefon, um außerhalb des Hauses erreichbar zu sein. Nur Blackberry hatte versucht, etwas anderes zu machen, aber es war ein teures und kompliziertes Gerät. Apple hatte eine dreifache Nutzung für ein Telefon geschaffen. Ganz zu schweigen davon, dass es ein Gerät ohne Tasten war, denn das iPhone war fast vollständig Touchscreen und hatte nur die Home-Taste. Ein totaler Wahnsinn.
Die „Blase“ ohne Blase.
Dieser Tag veränderte alles. Endlich sah die Welt zum ersten Mal das Potenzial, das das Internet und die Technologie hatten, wenn ein Zweck dahinterstand. Apple nahm alles Gute aus der Zeit der Blase (nämlich das Bewusstsein, dass das Internet und Computer die Zukunft sein würden) und gab dieser Mentalität einen Grund. Von diesem Moment an wuchs Apple überproportional, wie in der Blase, aber mit einer soliden Struktur und guten Produkten, die die Leute kaufen konnten. Apple war in seine persönliche Blase eingetreten, aber ohne die Blase. Das Jahr 2000 war zurück.
Im Jahr 2007 schuf Steve Jobs einen Markt, der bis dahin praktisch nicht existierte. Ja, es gab Handys, aber es gab keine Notwendigkeit, eines zu besitzen, um mit der Zeit zu gehen. Apple hat das Bedürfnis geschaffen, ganz oben zu sein, und das Gefühl in die Köpfe reingesteckt, die Zukunft in der Gegenwart zu leben. Ich erinnere mich an die Massenhysterie jedes Mal, wenn ein neues iPhone-Modell herauskam. Nicht einmal die Beatles hatten die Massen so in Ekstase versetzt.
Seit jenem Januar 2007 begannen alle Telefonhersteller der Welt, diese Technologie zu studieren. Unternehmen wie Samsung und LG entwickelten in den folgenden Jahren erfolgreich ihre eigenen Smartphone-Modelle. Firmen wie Blackberry, Siemens und Nokia verschwanden und wurden sofort altmodisch, obwohl sie bis zum Tag davor noch an der Spitze standen. Andere wie Sony probierten, studierten und nutzten diese Technologien und Innovationen in anderen Bereichen wie Fernsehern und Konsolen. Neue Unternehmen entstanden, wie Huawei, das bis heute massiv in 5G- und 6G-Technologie investiert.
Diese Wende führte dazu, dass immer kleinere und leistungsstärkere Mikrochips erforscht wurden, da Smartphones immer kompakter, aber auch immer leistungsfähiger werden mussten. Wenn wir heute ein Smartphone besitzen, das alles kann, und Computer wie die „Surface“-Serie von Microsoft oder die MacBooks von Apple haben, dann ist das der Miniaturisierungsarbeit zu verdanken, die seit 2007 stattfindet.
Ups... ich hätte fast die Computer vergessen. Während die Telefone eine Entwicklung am Rande des Unvorstellbaren durchgemacht haben, haben auch die Computer keine Zeit verloren. Ich könnte viel dazu sagen, aber ein grafischer Vergleich sagt mehr als tausend Worte. Nur aus Neugier habe ich Gemini gebeten, einen kleinen Vergleich zwischen einem Computer aus dem Jahr 2000 und einem aus dem Jahr 2026 zu ziehen. Das ist das Ergebnis:
Merkmal | Standard PC (2000) | High-End Gaming (2026) |
CPU | 1 Core @ 1 GHz | 32+ Core mit AI Accelerator |
RAM | 128 MB | 64 GB - 128 GB |
GPU (VRAM) | 32 MB | 24 GB - 32 GB (HBM3/GDDR7) |
Storage | HDD 20 GB (Mechanisch) | SSD NVMe 4 TB+ (Ultra-schnell) |
Monitor | CRT 15" - 17" (800x600) | OLED 32" - 42" (4K/8K @ 240Hz) |
Konnektivität | 56k Modem (analog) | Wi-Fi 7 / 10 Gigabit Glasfaser |
Es ist schwer, diesen Vergleich überhaupt zu fassen. Es ist, als würde man eine Kutsche mit einem Formel-1-Wagen vergleichen. Und das alles, während die Gehäuse fast gleich groß geblieben sind, aber die Elemente bis fast auf die Quantenebene miniaturisiert wurden.
Auch die Haushalte wurden von dieser Transformation erfasst. Was haben Häuser mit Technologie zu tun? Habt ihr diese Kühlschränke gesehen, die einen Touchscreen haben, der euch sogar sagt, wie viele Lebensmittel ihr noch habt? Kennt ihr dieses wunderbare Ding namens „Smart-Home“, mit dem ihr alles mit einer Taste auf eurem Smartphone steuern könnt? Diese Zauberei kommt nicht aus dem Nichts. Das sind Jahre von Forschung. Wenn man darüber nachdenkt, wurde all das erst möglich, nachdem die Smartphones ihren Siegeszug auf dem Markt angetreten hatten. Sie führten das Konzept von Touchscreens und drahtloser Konnektivität zwischen Geräten ein. Vorher wäre das in keiner Weise möglich gewesen. Jetzt über Apps auf dem Handy und drahtlose Technologie konnte man ein Telefon mit der Waschmaschine oder dem Kühlschrank verbinden.
Letztes Beispiel: Autos. Schaut euch den Innenraum moderner Autos an. Fast alle haben heute ein riesiges Display, mit dem man alles per Fingertipp steuern kann. Man hat detaillierte Informationen über den Verkehr, die Reichweite und viele weitere Details für sicheres Fahren. Und man kann sogar das Handy mit dem Auto verbinden, um Apps wie Google Maps zu nutzen. Wir haben ein Computer im Auto. Es gibt sogar Autos, die sprechen, denken und das Fahrzeug kontrollieren, wenn der Fahrer es nicht schafft.
Letzte Überlegungen.
Es ist unglaublich, wie ein schrecklicher Moment wie der Verlust von Billionen von Dollar einen modernen Goldrausch aus Mikrochips, Touchscreens und Miniaturisierung ausgelöst hat. Wenn man darüber nachdenkt, macht der Fortschritt, den wir in nur 20 Jahren gemacht haben, fast schon Angst. Die Welt hat sich so sehr verändert, dass es unvorstellbar ist, zurückzugehen. Und das Schöne ist: Es gibt Leute da draußen, die die Welt wirklich dazu zwingen wollen, auf alles zu verzichten, nur weil „Technologie Angst macht“. Und das sind dieselben Personen, die Sci-Fi mögen und davon fasziniert waren oder doch noch sind.
Aber das wird nicht passieren. Technologie ist etwas Fantastisches, Schönes, das das Leben verdammt viel einfacher macht. Die Angst erschaffen wir selbst durch eine rücksichtslose, kriminelle und unverantwortliche Nutzung. Wer nicht an dieser Welt nicht mitleben will, kann gerne in einer Höhle, in der Wüste oder auf dem Meeresgrund leben.
M.










































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